Ein Fernstudium ermöglicht die akademische Weiterbildung und den Erwerb eines Hochschulabschlusses neben Beruf und Familie. In Österreich gibt es mittlerweile zahlreiche seriöse Anbieter und innovative Studienmodelle, die zeitlich und örtlich flexibles Lernen ermöglichen. Dieser umfassende Ratgeber erklärt die vielfältigen Möglichkeiten, die anfallenden Kosten und alle wichtigen Voraussetzungen eines Fernstudiums in Österreich.
Was ist ein Fernstudium?
Beim modernen Fernstudium findet der weitaus größte Teil des Lernens flexibel zu Hause oder an einem selbst gewählten Ort statt. Umfangreiche Lehrmaterialien werden online über Lernplattformen oder per Post bereitgestellt, Vorlesungen werden als aufgezeichnete Videos oder interaktive Live-Streams angeboten. Präsenzphasen an der Hochschule sind stark reduziert oder entfallen bei manchen Anbietern ganz. Das ermöglicht den Studierenden maximale zeitliche und örtliche Flexibilität bei der Gestaltung ihres Lernalltags.
Moderne Fernstudien setzen auf Blended Learning - eine Mischung aus Online-Selbststudium und punktuellen Präsenzveranstaltungen. Digitale Lernplattformen ermöglichen Interaktion mit Dozenten und Mitstudierenden.
Vorteile des Fernstudiums
Flexibilität
Der größte und wichtigste Vorteil eines Fernstudiums ist die umfassende zeitliche Flexibilität. Berufstätige können flexibel abends und am Wochenende lernen, Eltern können während der Kinderbetreuungszeiten studieren. Es gibt keine festen Vorlesungszeiten mit Anwesenheitspflicht, das individuelle Lerntempo kann selbst bestimmt und angepasst werden.
Berufsbegleitend möglich
Ein Fernstudium lässt sich gut mit einer Vollzeitbeschäftigung vereinbaren. Anders als beim klassischen Präsenzstudium muss der Beruf nicht aufgegeben oder auf Teilzeit reduziert werden. Das sichert das regelmäßige Einkommen und ermöglicht wertvolle praktische Berufserfahrung parallel zum akademischen Studium.
Ortsunabhängigkeit
Der eigene Wohnort spielt für das Studium keine Rolle. Auch wer weit von einer Hochschule oder Universität entfernt lebt, kann problemlos studieren. Selbst vom Ausland aus ist ein österreichisches Fernstudium problemlos möglich.
Nachteile und Herausforderungen
Selbstdisziplin erforderlich
Ohne feste Vorlesungszeiten und den Druck der Anwesenheitspflicht braucht es viel Eigenmotivation. Wer sich schlecht selbst organisieren kann, hat es beim Fernstudium schwerer. Die Abbrecherquoten sind höher als bei Präsenzstudiengängen.
Weniger soziale Kontakte
Das Studentenleben mit Kommilitonen, Lerngruppen und Campus-Atmosphäre fehlt weitgehend. Zwar gibt es Online-Foren und gelegentliche Präsenztermine, aber der persönliche Austausch ist eingeschränkt.
Doppelbelastung
Beruf, Familie und Studium gleichzeitig zu bewältigen ist anspruchsvoll. Realistische Zeitplanung und Unterstützung aus dem Umfeld sind wichtig für den Erfolg.
Anbieter in Österreich
Fernuniversität Hagen
Die deutsche FernUniversität in Hagen ist mit Studienzentrern in Österreich präsent. Sie bietet ein breites Fächerspektrum und ist die größte deutschsprachige Fernhochschule. Die Studiengebühren sind vergleichsweise niedrig.
Österreichische Fachhochschulen
Mehrere österreichische Fachhochschulen bieten berufsbegleitende Studiengänge mit hohem Fernstudienanteil an. Die FH Burgenland, die Ferdinand Porsche FernFH und andere haben entsprechende Programme entwickelt.
Private Hochschulen
Private Anbieter wie die IUBH, die Hamburger Fern-Hochschule oder die SRH Fernhochschule bieten ebenfalls Fernstudiengänge an, die in Österreich absolviert werden können. Die Studiengebühren sind oft höher, dafür ist die Betreuung intensiver.
Kosten eines Fernstudiums
Die Kosten variieren stark je nach Anbieter und Studiengang. Staatliche Fernhochschulen sind günstiger (einige hundert Euro pro Semester), private Anbieter teurer (mehrere hundert bis tausend Euro monatlich). Ein Bachelor kann insgesamt zwischen 2.000 und 15.000 Euro kosten, ein Master entsprechend.
Zu den Studiengebühren kommen Kosten für Lehrmaterialien, Prüfungsgebühren und eventuelle Reisekosten zu Präsenzterminen. Auch ein leistungsfähiger Computer und stabiles Internet sind nötig.
Finanzierung
Ein Fernstudium kann über verschiedene Wege finanziert werden. Arbeitgeber beteiligen sich manchmal an den Kosten, wenn das Studium für den Job relevant ist. Werbungskosten für berufliche Weiterbildung können steuerlich abgesetzt werden. Auch Bildungskredite sind eine Option.
Voraussetzungen
Zugangsvoraussetzungen
Für ein Bachelor-Fernstudium wird in der Regel die Matura oder eine gleichwertige Qualifikation benötigt. Manche Anbieter ermöglichen auch den Zugang über Berufserfahrung und Eignungsprüfung. Für den Master ist ein erster Hochschulabschluss Voraussetzung.
Technische Voraussetzungen
Ein aktueller Computer, stabiles Internet und grundlegende digitale Kompetenzen sind erforderlich. Für manche Studiengänge wird spezielle Software benötigt. Die Lernplattformen sind in der Regel nutzerfreundlich gestaltet.
Prüfungen
Prüfungen finden je nach Anbieter online oder an Präsenzstandorten statt. Online-Prüfungen werden oft per Videoüberwachung beaufsichtigt. Präsenzprüfungen erfordern die Anreise zu einem Prüfungszentrum. Die Termine sind meist flexibel wählbar.
Anerkennung des Abschlusses
Abschlüsse akkreditierter Fernhochschulen sind vollwertig anerkannt. Ein Bachelor oder Master einer seriösen Fernhochschule ist gleichwertig mit dem Abschluss einer Präsenzhochschule. Bei der Wahl des Anbieters sollte auf die Akkreditierung geachtet werden.
Tipps für ein erfolgreiches Fernstudium
Realistische Planung
Planen Sie ausreichend Zeit ein. Ein Teilzeitstudium neben Vollzeitjob erfordert typischerweise 15-20 Stunden wöchentlich. Unterschätzen Sie den Aufwand nicht.
Lernroutine entwickeln
Feste Lernzeiten helfen, am Ball zu bleiben. Richten Sie einen Arbeitsplatz ein und minimieren Sie Ablenkungen während der Lernphasen.
Unterstützung suchen
Tauschen Sie sich mit Mitstudierenden aus, nutzen Sie die Betreuungsangebote der Hochschule. Familie und Freunde sollten über das Studium informiert sein und Verständnis für den Zeitaufwand haben.
Beliebte Studiengänge
Besonders gefragt sind wirtschaftswissenschaftliche Fernstudiengänge wie BWL, Wirtschaftsinformatik oder MBA. Auch Psychologie, Informatik und Rechtswissenschaften werden häufig gewählt. Technische Studiengänge sind seltener als Fernstudium verfügbar, da Laborpraktika schwer zu ersetzen sind.
Zeitaufwand realistisch einschätzen
Ein Fernstudium neben dem Beruf erfordert typischerweise 15-25 Stunden pro Woche. Das ist weniger als ein Vollzeitstudium, aber über Jahre hinweg eine erhebliche Belastung. Vor Studienbeginn sollte geklärt sein, wie diese Zeit aufgebracht werden kann. Urlaub und Wochenenden werden oft für Prüfungsvorbereitungen benötigt.
Arbeitgeber einbinden
Viele Arbeitgeber unterstützen Weiterbildung ihrer Mitarbeiter. Das kann finanzielle Unterstützung sein, aber auch Freistellung für Prüfungen oder flexible Arbeitszeiten während intensiver Lernphasen. Ein offenes Gespräch mit dem Vorgesetzten kann hier viel bewirken.
Prüfungsvorbereitung
Die Vorbereitung auf Prüfungen ist beim Fernstudium besonders wichtig. Ohne den regelmäßigen Austausch in Vorlesungen muss der Stoff selbstständig erarbeitet werden. Lerngruppen (auch online), Zusammenfassungen und alte Klausuren helfen bei der Vorbereitung.
Nach dem Studium
Ein Fernstudium-Abschluss eröffnet neue Karrieremöglichkeiten. Die Kombination aus Berufserfahrung und akademischem Abschluss ist auf dem Arbeitsmarkt gefragt. Die im Fernstudium bewiesene Selbstdisziplin ist eine Qualifikation für sich.
Alternativen zum Fernstudium
Neben dem klassischen Fernstudium gibt es weitere Möglichkeiten der berufsbegleitenden Weiterbildung. Abendstudium, Wochenendstudium oder Blockunterricht bieten mehr Präsenzanteile bei ähnlicher Flexibilität. Auch Zertifikatslehrgänge und MOOCs (Massive Open Online Courses) sind Optionen für bestimmte Lernziele.
Fazit: Chance für Berufstätige
Ein Fernstudium eröffnet Berufstätigen die Möglichkeit, einen akademischen Abschluss zu erwerben, ohne den Job aufzugeben. Es erfordert Disziplin und Organisation, bietet aber unschlagbare Flexibilität. Für viele ist es der ideale Weg zur beruflichen Weiterentwicklung und zum lebenslangen Lernen.
Stand: 12. Januar 2026