Private Krankenversicherung in Österreich 2026 - Leistungen, Kosten und Vergleich

Die gesetzliche Krankenversicherung in Österreich deckt die medizinische Grundversorgung ab. Wer mehr Komfort, kürzere Wartezeiten und freie Arztwahl wünscht, kann eine private Krankenversicherung abschließen. Dieser Ratgeber erklärt die verschiedenen Varianten, typische Kosten und worauf beim Abschluss zu achten ist.

Das österreichische Gesundheitssystem im Überblick

Österreich verfügt über ein duales Gesundheitssystem. Die Pflichtversicherung bei den gesetzlichen Krankenkassen (ÖGK, BVAEB, SVS) sichert alle Arbeitnehmer, Selbstständigen und deren Familien ab. Die Leistungen umfassen Arztbesuche, Krankenhausaufenthalte, Medikamente und Rehabilitation - allerdings mit gewissen Einschränkungen.

Die private Krankenversicherung ist eine freiwillige Ergänzung. Sie ersetzt die gesetzliche Versicherung nicht, sondern erweitert sie. In Österreich haben etwa 35% der Bevölkerung eine private Krankenversicherung - das ist einer der höchsten Werte in Europa.

Welche Leistungen bietet die private Krankenversicherung?

Sonderklasse im Krankenhaus

Das Kernprodukt der privaten Krankenversicherung ist die Sonderklasse-Versicherung. Sie ermöglicht die Unterbringung in Ein- oder Zweibettzimmern statt im Mehrbettzimmer der allgemeinen Klasse. Weitere Vorteile: freie Arzt- und Krankenhauswahl, Chefarztbehandlung, bessere Verpflegung und mehr Privatsphäre.

Die Sonderklasse ist besonders bei planbaren Operationen attraktiv. Wartezeiten von Monaten in der allgemeinen Klasse können in der Sonderklasse auf Wochen oder Tage verkürzt werden. Bei Notfällen wird ohnehin sofort behandelt.

Wahlarzt-Versicherung

Die ambulante Zusatzversicherung (Wahlarzt-Versicherung) erstattet Kosten für Behandlungen bei Ärzten ohne Kassenvertrag. Diese Wahlärzte können ihre Honorare frei festlegen und bieten oft längere Behandlungszeiten und kürzere Wartezeiten. Je nach Tarif werden 80-100% der Kosten übernommen.

Zahnzusatzversicherung

Die Zahnzusatzversicherung ist ein eigenständiges Produkt, das Zahnbehandlungen und Zahnersatz über die Kassenleistung hinaus abdeckt. Implantate, Kronen und kieferorthopädische Behandlungen können tausende Euro kosten - die Zusatzversicherung übernimmt je nach Tarif einen Großteil davon.

Alternative Heilmethoden

Viele Privatversicherungen erstatten auch Kosten für alternative Heilmethoden wie Akupunktur, Homöopathie oder Osteopathie, die von der Kasse nicht bezahlt werden. Die Erstattungsgrenzen variieren stark je nach Tarif und Versicherer.

Was kostet eine private Krankenversicherung?

Die Prämien für eine private Krankenversicherung hängen von mehreren Faktoren ab: Eintrittsalter, Gesundheitszustand, gewählter Leistungsumfang und Selbstbehalt. Je jünger und gesünder man beim Abschluss ist, desto günstiger die Prämie.

Typische Beiträge

Für einen 30-Jährigen ohne Vorerkrankungen beginnen Sonderklasse-Tarife bei etwa 50-80 Euro monatlich. Ein umfassender Tarif mit Wahlarztversicherung und niedrigem Selbstbehalt kann 150-200 Euro kosten. Mit 50 Jahren liegen die Prämien für denselben Schutz beim Doppelten bis Dreifachen.

Für Familien gibt es Familientarife, bei denen Kinder günstig oder kostenlos mitversichert werden können. Die Beiträge für Kinder liegen typischerweise bei 10-30 Euro monatlich.

Selbstbehalt als Kostenbremse

Ein Selbstbehalt senkt die monatliche Prämie deutlich. Bei einem Selbstbehalt von 1.000-2.000 Euro pro Jahr zahlt man einen Teil der Kosten selbst - dafür sind die laufenden Beiträge wesentlich günstiger. Für gesunde Menschen, die selten zum Arzt gehen, kann das sinnvoll sein.

Wie funktioniert die Gesundheitsprüfung?

Vor dem Abschluss einer privaten Krankenversicherung erfolgt eine Gesundheitsprüfung. Der Antragsteller muss einen Fragebogen zu Vorerkrankungen, laufenden Behandlungen und Medikamenten ausfüllen. Falsche Angaben können später zum Verlust des Versicherungsschutzes führen.

Vorerkrankungen und Ausschlüsse

Bei bestehenden Erkrankungen kann die Versicherung diese vom Schutz ausschließen, einen Risikozuschlag verlangen oder den Antrag ganz ablehnen. Chronische Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder psychische Leiden sind besonders kritisch.

Tipp: Wer eine private Krankenversicherung plant, sollte möglichst jung und gesund abschließen. Einmal bestehender Versicherungsschutz bleibt auch bei später auftretenden Erkrankungen erhalten.

Wartezeiten

Nach Vertragsabschluss gelten oft Wartezeiten von drei bis acht Monaten, bevor der volle Leistungsanspruch besteht. Für Unfälle entfällt die Wartezeit in der Regel. Bei Schwangerschaft kann eine Wartezeit von neun Monaten bestehen.

Die wichtigsten Anbieter in Österreich

Der österreichische Markt für private Krankenversicherungen wird von mehreren etablierten Versicherern dominiert. Zu den größten zählen Uniqa, Generali, Wiener Städtische, Allianz und Merkur. Jeder Anbieter hat unterschiedliche Tarifstrukturen und Leistungsschwerpunkte.

Ein Vergleich lohnt sich: Die Prämien für vergleichbare Leistungen können um 30-50% variieren. Neben dem Preis sollte man auf Leistungsdetails wie Erstattungsgrenzen, Selbstbehalte und Ausschlüsse achten.

Für wen lohnt sich die private Krankenversicherung?

Gute Kandidaten

Eine private Krankenversicherung lohnt sich besonders für Menschen, die Wert auf Komfort und kurze Wartezeiten legen. Besserverdienende, Selbstständige und Freiberufler profitieren von der freien Arztwahl und der Möglichkeit, Wahlärzte zu konsultieren. Auch wer regelmäßig alternative Heilmethoden nutzt, kann von der Erstattung profitieren.

Für Selbstständige ist die Sonderklasse-Versicherung besonders interessant, da sie schnellere Behandlungen ermöglicht und so Ausfallzeiten minimiert.

Weniger geeignet

Wer mit den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung zufrieden ist und selten zum Arzt geht, braucht nicht unbedingt eine Zusatzversicherung. Auch bei knappem Budget haben andere Vorsorgeprodukte wie Berufsunfähigkeitsversicherung oder Altersvorsorge oft höhere Priorität.

Steuerliche Absetzbarkeit

Beiträge zur privaten Krankenversicherung können in Österreich als Sonderausgaben steuerlich geltend gemacht werden. Die Absetzbarkeit ist allerdings mit anderen Sonderausgaben gedeckelt. Im Lohnsteuerausgleich kann man die gezahlten Prämien angeben.

Tipps für den Abschluss

Früh abschließen

Je jünger und gesünder, desto günstiger die Prämie. Einmal abgeschlossen, kann die Versicherung den Vertrag nicht wegen neuer Erkrankungen kündigen. Ein Abschluss in jungen Jahren sichert günstige Konditionen für das ganze Leben.

Angebote vergleichen

Nutzen Sie unabhängige Vergleichsportale oder einen Versicherungsmakler, der Angebote verschiedener Gesellschaften einholen kann. Achten Sie nicht nur auf den Preis, sondern auch auf die Leistungsdetails.

Kündigungsfristen beachten

Private Krankenversicherungen haben meist eine Mindestlaufzeit und Kündigungsfristen. Informieren Sie sich vor Abschluss über die Bedingungen für einen späteren Wechsel oder eine Kündigung.

Wechsel und Kündigung der privaten Krankenversicherung

Ein Wechsel der privaten Krankenversicherung ist möglich, aber nicht immer sinnvoll. Bei einem neuen Anbieter muss die Gesundheitsprüfung erneut durchlaufen werden - und mit zunehmendem Alter oder bei zwischenzeitlich aufgetretenen Erkrankungen können die Konditionen schlechter ausfallen als beim bestehenden Vertrag.

Vor einem Wechsel sollte man daher genau rechnen: Wiegen die günstigeren Prämien des neuen Anbieters die möglicherweise schlechteren Leistungen oder höheren Risikozuschläge auf? Oft ist es sinnvoller, beim bestehenden Versicherer in einen anderen Tarif zu wechseln, da dabei keine neue Gesundheitsprüfung nötig ist.

Kombinationsmodelle und Tarifoptimierung

Viele Versicherer bieten modulare Tarife an, bei denen einzelne Bausteine wie Sonderklasse, Wahlarzt oder Zahnzusatz separat gewählt werden können. So lässt sich der Versicherungsschutz individuell anpassen und bei Bedarf erweitern oder reduzieren. Ein regelmäßiger Check - etwa alle zwei bis drei Jahre - hilft, den Tarif an veränderte Lebensumstände anzupassen.

Fazit: Gut versichert mit der richtigen Wahl

Die private Krankenversicherung bietet echten Mehrwert für alle, die mehr Komfort und Wahlfreiheit im Gesundheitswesen wünschen. Die Entscheidung sollte jedoch wohlüberlegt sein: Die Beiträge müssen langfristig tragbar sein, und der gewählte Tarif sollte zu den persönlichen Bedürfnissen passen. Ein frühzeitiger Abschluss in gesunden Jahren ist die beste Strategie für dauerhaft günstigen und umfassenden Schutz.

Stand: 12. Januar 2026