benefit - Das FFG-Programm für Ambient Assisted Living in Österreich

Das innovative Förderprogramm benefit der renommierten Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft unterstützt gezielt Forschung und Entwicklung im wichtigen Bereich Ambient Assisted Living (AAL). Das übergeordnete Ziel ist es, älteren Menschen und Menschen mit körperlichen oder kognitiven Beeinträchtigungen durch innovative und nutzerfreundliche Technologien ein möglichst selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. Dieser ausführliche Ratgeber erklärt das Programm im Detail, seine verschiedenen Fördermöglichkeiten und zeigt, wie Unternehmen und Forschungseinrichtungen davon profitieren können.

Was ist Ambient Assisted Living?

Ambient Assisted Living - übersetzt etwa „umgebungsunterstütztes Leben“ oder „altersgerechte Assistenzsysteme“ - bezeichnet innovative technische Systeme und Lösungen, die Menschen effektiv im Alltag unterstützen. Das können intelligente Smart-Home-Lösungen sein, die das Wohnen sicherer und komfortabler machen, fortschrittliche Telemedizin-Anwendungen für die kontinuierliche Gesundheitsüberwachung, hilfreiche Assistenzroboter für den Haushalt oder moderne Kommunikationstechnologien gegen soziale Vereinsamung.

Der fortschreitende demografische Wandel in ganz Europa macht solche innovativen Lösungen immer wichtiger und dringlicher. Die Bevölkerung wird stetig älter, der Pflegebedarf steigt kontinuierlich an, und gleichzeitig fehlen qualifizierte Pflegekräfte in allen Bereichen. Innovative Technologie und intelligente Assistenzsysteme können helfen, diese wachsende Lücke zu schließen und älteren Menschen deutlich länger ein selbstständiges und würdevolles Leben in der gewohnten Umgebung zu ermöglichen.

Das Programm benefit

benefit ist ein spezialisiertes thematisches Förderprogramm der renommierten FFG. Es wird im offiziellen Auftrag des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) professionell abgewickelt und fördert gezielt anwendungsorientierte und praxisnahe Forschung im wichtigen AAL-Bereich. Das erfolgreiche Programm läuft seit dem Jahr 2008 und hat seitdem zahlreiche innovative und zukunftsweisende Projekte finanziell und beratend unterstützt.

Ziele des Programms

Das benefit-Programm verfolgt mehrere wichtige strategische Ziele. Es soll die Lebensqualität älterer und körperlich oder kognitiv beeinträchtigter Menschen in Österreich nachhaltig verbessern. Es unterstützt aktiv die österreichische Wirtschaft bei der Entwicklung innovativer und international marktfähiger AAL-Produkte und Dienstleistungen. Es fördert aktiv die enge Zusammenarbeit und den Wissenstransfer zwischen Forschung, Wirtschaft und den tatsächlichen Anwendern. Und es stärkt nachhaltig Österreichs Position als Innovationsstandort im internationalen AAL-Bereich.

Wer kann gefördert werden?

Antragsberechtigt sind österreichische Unternehmen aller Größen von Start-ups bis zu Großunternehmen, anerkannte Forschungseinrichtungen und staatliche sowie private Hochschulen. Auch Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens können als Partner in Projekten mitwirken. Besonders erwünscht sind Kooperationen, die verschiedene Perspektiven einbringen.

Selbstständige und Start-ups, die innovative AAL-Lösungen entwickeln, finden im benefit-Programm einen geeigneten Förderrahmen. Die aktive Einbindung von Endnutzern - also älteren Menschen, Menschen mit Beeinträchtigungen oder deren pflegenden Angehörigen - ist bei benefit-Projekten besonders wichtig und wird gezielt gefördert.

Förderfähige Projekte

Forschungsprojekte

Das Programm fördert Forschungs- und Entwicklungsprojekte im AAL-Bereich. Die Projekte sollten innovative Lösungen entwickeln, die das Leben älterer oder beeinträchtigter Menschen verbessern. Der Anwendungsbezug muss klar erkennbar sein - reine Grundlagenforschung wird nicht gefördert.

Thematische Schwerpunkte

Typische Themen sind Smart-Home-Lösungen für sicheres Wohnen im Alter, Telemedizin und Gesundheitsmonitoring, Mobilitätshilfen und Navigationssysteme, soziale Robotik und Assistenzsysteme, digitale Kommunikation und soziale Teilhabe sowie Sturzprävention und Notfallsysteme.

Förderkonditionen

Förderquoten

Die Förderquoten richten sich nach der Art der Forschung und der Größe des Unternehmens. Für experimentelle Entwicklung erhalten große Unternehmen bis zu 25%, KMU bis zu 35% der förderfähigen Kosten. Bei Forschungseinrichtungen können bis zu 100% gefördert werden. In Kooperationsprojekten gelten erhöhte Sätze.

Förderfähige Kosten

Gefördert werden Personalkosten für Forschung und Entwicklung, Kosten für Ausrüstung und Material, Kosten für externe Forschungsleistungen, Kosten für die Einbindung von Endnutzern sowie Reise- und Publikationskosten im angemessenen Rahmen.

Antragstellung

Anträge werden über das FFG eCall-System eingereicht. Die Ausschreibungen haben feste Einreichfristen, die auf der FFG-Website bekannt gegeben werden. Vor der Antragstellung empfiehlt sich eine Beratung durch die FFG-Programmverantwortlichen.

Bewertungskriterien

Die eingereichten Anträge werden von unabhängigen Experten begutachtet. Wichtige Kriterien sind die Innovationshöhe der vorgeschlagenen Lösung, die Relevanz für die Zielgruppe, die wissenschaftliche und technische Qualität, die Qualifikation des Teams sowie die Verwertungsperspektive und der Marktbezug.

Erfolgreiche Projekte

Das benefit-Programm hat bereits zahlreiche innovative Projekte hervorgebracht. Beispiele sind intelligente Notrufsysteme, die Stürze automatisch erkennen, Apps zur Unterstützung von Demenzpatienten und ihren Angehörigen, Smart-Home-Systeme speziell für ältere Nutzer und telemedizinische Lösungen für die Betreuung chronisch Kranker.

Viele dieser Entwicklungen sind inzwischen am Markt verfügbar und helfen tausenden Menschen, länger selbstständig zu leben.

Internationale Dimension

benefit ist eingebettet in die europäische AAL-Initiative. Österreich beteiligt sich an internationalen AAL-Programmen, die grenzüberschreitende Projekte fördern. Für Unternehmen und Forschungseinrichtungen eröffnet das zusätzliche Möglichkeiten zur Zusammenarbeit und Markterschließung.

Weitere FFG-Programme

benefit ist eines von vielen FFG-Förderprogrammen. Für erste Schritte in die Forschungsförderung eignet sich der Innovationsscheck. Für Grundlagenforschung mit Anwendungsperspektive gibt es BRIDGE. Die COMET-Kompetenzzentren ermöglichen langfristige Forschungskooperationen.

Der demografische Wandel als Treiber

Österreichs Bevölkerung altert. Bis 2050 wird der Anteil der über 65-Jährigen deutlich steigen. Das Gesundheitssystem und die Pflege stehen vor enormen Herausforderungen. Innovative AAL-Lösungen können helfen, diese Herausforderungen zu bewältigen und gleichzeitig die Lebensqualität älterer Menschen zu verbessern.

Die Nachfrage nach AAL-Produkten wächst weltweit. Für österreichische Unternehmen eröffnet das Exportchancen. Das benefit-Programm hilft, wettbewerbsfähige Produkte zu entwickeln und am Weltmarkt zu positionieren.

Nutzereinbindung als Erfolgsfaktor

Ein Besonderheit des benefit-Programms ist die Betonung der Nutzereinbindung. Technologien für ältere Menschen müssen deren Bedürfnisse und Fähigkeiten berücksichtigen. Die Einbindung von Endnutzern von Anfang an erhöht die Akzeptanz und Marktfähigkeit der Entwicklungen.

Methoden wie partizipatives Design, Nutzer-Workshops und Feldtests mit der Zielgruppe sind förderfähig und werden bei der Bewertung positiv berücksichtigt.

Von der Idee zum Markt

benefit begleitet Projekte von der Forschung bis zur Marktreife. Für frühe Phasen gibt es Sondierungsprojekte, für fortgeschrittene Entwicklungen kooperative Projekte. Die enge Verbindung mit der aws (Austria Wirtschaftsservice) ermöglicht auch Förderung für die Markteinführung.

Vernetzung und Wissenstransfer

Das benefit-Programm fördert auch den aktiven Austausch zwischen den verschiedenen Projekten. Regelmäßige Vernetzungstreffen, Konferenzen und Publikationen ermöglichen den Wissenstransfer. So profitiert die gesamte AAL-Community von den Erkenntnissen einzelner Projekte.

Ethische Aspekte

Technologie für vulnerable Gruppen wirft ethische Fragen auf. Datenschutz, Privatsphäre und Selbstbestimmung müssen gewahrt bleiben. Das benefit-Programm legt Wert auf ethische Reflexion und fordert die Berücksichtigung dieser Aspekte in den Projektanträgen.

Fazit: Forschung für ein selbstbestimmtes Leben

Das benefit-Programm verbindet technologische Innovation mit gesellschaftlichem Nutzen. Für Unternehmen und Forschungseinrichtungen im AAL-Bereich bietet es attraktive Fördermöglichkeiten. Die Entwicklung von Lösungen für eine alternde Gesellschaft ist nicht nur gesellschaftlich wichtig, sondern auch wirtschaftlich interessant.

Stand: 12. Januar 2026