Ein Algorithmus verwaltet Ihr Depot, gewichtet um und führt die KESt automatisch ab - dafür verlangen Robo-Advisor in Österreich rund ein Prozent pro Jahr. Welche Anbieter steuereinfach sind, was sie kosten und für wen der Aufpreis gegenüber dem eigenen ETF-Sparplan gerechtfertigt ist.
Was ein Robo-Advisor tatsächlich macht
Hinter dem Marketingwort steckt digitale Vermögensverwaltung: Sie beantworten online Fragen zu Anlageziel, Laufzeit und Risikobereitschaft, der Anbieter ordnet Sie einer Strategie zu und investiert Ihr Geld - meist in ein weltweit gestreutes Portfolio aus ETFs und Anleihen. Danach läuft alles automatisch: Sparraten werden investiert, das Portfolio wird regelmäßig auf die Zielgewichtung zurückgesetzt (Rebalancing), bei vielen Anbietern wird das Risiko in Marktkrisen algorithmisch gesteuert.
Der Robo-Advisor ist damit die Mitte zwischen zwei Welten: bequemer als der selbst verwaltete ETF-Sparplan, deutlich günstiger als die klassische Vermögensverwaltung der Privatbank, die oft erst ab sechsstelligen Beträgen beginnt.
Steuereinfach oder nicht: Das wichtigste Kriterium in Österreich
Bevor Sie Renditen und Gebühren vergleichen, klären Sie eine Frage: Führt der Anbieter die österreichische Kapitalertragsteuer automatisch ab? Auf Kursgewinne, Dividenden und Fondserträge fallen 27,5 Prozent KESt an. Ein steuereinfacher Anbieter berechnet sie und überweist sie direkt ans Finanzamt - Sie müssen nichts erklären, nichts nachreichen, nichts fürchten.
Bei ausländischen Anbietern ohne österreichische KESt-Abwicklung liegt diese Arbeit bei Ihnen: Ausschüttungsgleiche Erträge, Quellensteuer-Anrechnung und Kursgewinne gehören dann jährlich in die Steuererklärung - fehleranfällig und lästig genug, dass Vergleichsportale wie etf.at die Steuereinfachheit als eigenes Auswahlkriterium führen. Gerade beim Robo-Advisor, dessen Kernversprechen „kümmern Sie sich um nichts“ lautet, wäre ein nicht steuereinfacher Anbieter ein Widerspruch in sich.
Die Anbieter im Überblick
In Österreich haben sich mehrere steuereinfache Angebote etabliert - von Direktbanken über Fintechs bis zu den Großbanken. Die Eckdaten laut broker-test.at (Stand Juli 2026):
| Anbieter | Mindestanlage | Verwaltungsgebühr p.a. | Sparplan | steuereinfach |
|---|---|---|---|---|
| Savity | 10.000 € | 0,95 % | ab 100 € | ja |
| Invest Manager (Erste Bank/Sparkasse) | 5.000 € | 1,20 % | ab 100 € | ja |
| Will (Raiffeisen) | 10.000 € | 0,96-1,25 % (je nach Raika) | - | ja |
| DADAT Vermögensverwaltung | 15.000 € | 1,20 % (ab 300.000 €: 1,02 %) | - | ja |
| easy INVEST | 10.000 € | 1,14 % (ab 150.000 €: 1,02 %) | - | ja |
| Carl (Bankhaus Spängler) | 30.000 € | 1,25 % (ab 300.000 €: 0,95 %) | ab 100 € | ja |
Dazu kommen die Produktkosten der ETFs und Fonds im Portfolio, typisch 0,2 bis 0,3 Prozent jährlich - bei Anbietern mit aktiven Fonds im Mix auch mehr. Realistisch landen Sie bei Gesamtkosten von 1,1 bis 1,5 Prozent pro Jahr.
Deutsche Robo-Advisor wie Scalable Capital (0,75 Prozent) oder Quirion (0,48 Prozent) sind auf dem Papier günstiger, wickeln die österreichische KESt aber nicht ab. Die Ersparnis von einem halben Prozentpunkt erkaufen Sie sich mit jährlicher Steuererklärungs-Arbeit - für die meisten Anleger ein schlechter Tausch.
Was der Komfort über die Jahre kostet
Rechnen wir ehrlich. Bei einem Depot von 50.000 Euro:
- Robo-Advisor: rund 1,3 Prozent Gesamtkosten = 650 Euro pro Jahr
- ETF-Sparplan in Eigenregie bei einem steuereinfachen Broker: rund 0,3 Prozent Produktkosten plus geringe Ordergebühren = etwa 150 bis 200 Euro pro Jahr
Die Differenz von rund 450 Euro jährlich ist der Preis für Bequemlichkeit, Disziplin und Risikomanagement. Über 20 Jahre und mit Zinseszins summiert sich dieser Kostenunterschied bei gleicher Marktentwicklung leicht auf einen fünfstelligen Betrag. Das ist kein Argument gegen Robo-Advisor - es ist die Messlatte, an der ihr Mehrwert sich beweisen muss.
Und den gibt es. Der größte Renditekiller privater Anleger ist nicht die Gebühr, sondern das eigene Verhalten: panisches Verkaufen im Crash, monatelanges Zögern beim Wiedereinstieg, Bauchentscheidungen statt Strategie. Wer sich dabei ertappt, fährt mit einem Automaten, der stur weiter investiert, unterm Strich oft besser als mit dem günstigsten Depot, das er falsch bedient.
Für wen sich ein Robo-Advisor eignet - eine ehrliche Einordnung
Gut geeignet, wenn Sie langfristig Vermögen aufbauen wollen, sich aber weder mit ETF-Auswahl noch Rebalancing beschäftigen möchten - und wenn Sie wissen, dass Sie in Krisen zu Kurzschlussreaktionen neigen. Auch als Ergänzung zur Altersvorsorge neben staatlicher und betrieblicher Pension ist das Modell solide.
Verzichtbar, wenn Sie bereit sind, einmalig ein paar Stunden zu investieren: Ein global gestreuter ETF-Sparplan bei einem steuereinfachen österreichischen Broker leistet fast dasselbe für ein Viertel der Kosten. Das Rebalancing eines Ein-ETF-Portfolios erledigt der Fonds selbst.
Ungeeignet für kurzfristige Ziele unter fünf Jahren Anlagehorizont - dafür sind Marktschwankungen zu groß, da bleiben Tagesgeld und Festgeld das richtige Werkzeug. Und Vorsicht bei allem, was „KI-Trading“ oder überdurchschnittliche Renditen verspricht: Seriöse Robo-Advisor schlagen den Markt nicht, sie bilden ihn diszipliniert und kostengünstig ab. Wer mehr verspricht, verdient Misstrauen.
Nachhaltig investieren per Robo-Advisor
Fast alle Anbieter führen inzwischen ESG- oder Nachhaltigkeits-Strategien, bei denen das Portfolio aus nachhaltigkeitsgefilterten Fonds besteht. Die Gebühren sind meist identisch mit der Standardstrategie, die Produktkosten teils leicht höher. Worauf Sie bei den Nachhaltigkeits-Labels achten sollten, haben wir im Beitrag zu nachhaltigen Fonds und ETFs aufgeschlüsselt - die Kriterien gelten für Robo-Portfolios genauso.
Häufige Fragen zu Robo-Advisorn
Ist mein Geld sicher, wenn der Anbieter pleitegeht?
Ihre Wertpapiere sind Sondervermögen und liegen auf einem Depot auf Ihren Namen - sie fallen nicht in die Insolvenzmasse des Anbieters. Das Marktrisiko der Veranlagung selbst trägt aber wie immer der Anleger.
Wie viel Rendite bringt ein Robo-Advisor?
Das hängt fast ausschließlich von der gewählten Risikostufe und der Marktentwicklung ab, nicht vom Algorithmus. Aktienlastige Strategien schwanken stark und liegen langfristig vorn, defensive schwanken wenig und bringen wenig.
Muss ich Erträge selbst versteuern?
Bei den steuereinfachen österreichischen Anbietern nicht - die 27,5 Prozent KESt werden automatisch abgeführt. Bei ausländischen Anbietern ohne KESt-Abwicklung müssen Sie die Kapitaleinkünfte selbst erklären.
Kann ich jederzeit an mein Geld?
Ja. Anders als bei Versicherungsprodukten gibt es keine Bindungsfristen; Verkäufe sind meist binnen weniger Tage am Konto. Sinnvoll ist der schnelle Ausstieg deshalb noch lange nicht.
Ab welchem Betrag lohnt sich das?
Die Mindestanlagen beginnen bei 5.000 Euro (Invest Manager) und reichen bis 30.000 Euro (Carl). Mit laufendem Sparplan ab 100 Euro monatlich wächst das Depot ohne weiteres Zutun.
Robo-Advisor oder ETF-Sparplan - was ist besser?
Wer Disziplin und ein wenig Interesse mitbringt, fährt mit dem eigenen ETF-Sparplan günstiger. Wer Ruhe, Automatik und einen Schutz vor den eigenen Emotionen will, bekommt beim Robo-Advisor viel Gegenwert für rund ein Prozent im Jahr.
Stand: Juli 2026